Das iPad zeigt meiner Meinung nach interessante Perspektiven für den Einsatz im Unterricht auf. Verschiedene Schulen in Deutschland wie auch im benachbarten Ausland und natürlich auch in Nordamerika testen das iPad als Instrument für den Unterrichtsalltag. Ich selbst glaube allerdings, dass die Möglichkeiten des iPad deutlich überschätzt werden. Gleiches gilt derzeit auch für andere Tablet PCs. Ideal sind die Geräte ganz sicherlich zur Darstellung von Inhalten und zur Interaktion mit Inhalten. Weniger geeignet sind die Geräte für den produktiven Einsatz oder die Kommunikation. Natürlich ist es durchaus möglich, Texte einzugeben über die Bildschirmtastatur, doch in punkto Ergonomie ist diese Eingabe mit der Eingabe über eine physikalische Tastatur mit erfühlbaren Tasten nicht konkurrenzfähig. Sicherlich ist die Eingabe von Texten weitaus komfortabler für viele Benutzer als etwa die Eingabe an einem kleinen Mobiltelefon mittels der beiden Daumen, doch es ist letztlich weniger ergonomisch als eine richtige Tastatur (An diversen Schulen wird die Dockingstation mit Tastatur für das iPad verwendet - das spricht für mich eine deutliche Sprache).
Beschränkt man das iPad in seiner Nutzung auf den Konsum von Medien und Internetinhalten sowie die Interaktion mit bestimmten Apps (interaktive Schulbücher, Musik, Malen, Gestalten, etc.), macht die Verwendung des iPad tatsächlich Sinn. Interessant kann das iPad natürlich auch für die Lehrer sein in verschiedensten Funktionen, auf die ich hier jedoch nicht eingehen möchte.
Um das iPad oder Tablet PCs im allgemeinen als Werkzeug für Schüler interessant zu machen, müsste sich noch einiges verändern. Es müsste möglich sein (und einige Apps zeigen bereits den Weg dorthin), Texte per Sprache einzugeben. An Grenzen stößt diese Technik jedoch sehr schnell, wenn viele Personen im gleichen Raum gleichzeitig Text eingeben und die Software Schwierigkeiten hat, zwischen verschiedenen Stimmen zu differenzieren. Da müsste entweder die Software noch genauer werden oder beispielsweise parallel über eine Kamera die Lippen des Sprechenden lesen. Gleichzeitig bräuchte das iPad nach vorne gerichtete kleine Lautsprecher, die nur in Richtung des Users ihren Schall abgeben (auch dieses ist technisch bereits möglich, siehe
http://www.ted.com/talks/woody_norris_invents_amazing_things.html).
Nach der diesjährigen CES glaube ich, könnte die Entwicklung von mobilen Endgeräten für Schüler eine komplett andere Richtung einschlagen, wenn sich das Konzept von Motorola mit dem Atrix durchsetzt. Die Basis ist hier kein Tablet PC, sondern ein Smartphone, welches in ein Dock eingesetzt mit Tastaturmaus und Monitor verbunden werden kann, oder in ein Notebook, welches nur aus Tastatur und Display und Touchpad besteht, eingesteckt werden kann. Man kann dann auf einen quasi vollwertigen Desktop zugreifen. Das Konzept ist natürlich noch entwicklungsfähig und die Möglichkeiten werden mit steigender Prozessorleistung in Smartphones noch einmal gewaltig steigen. Derzeit ist es ein kleiner Anfang. Aber man stelle sich einmal vor, ein kleines Smartphone in der Tasche eines jeden Schülers. Das ist robuster als ein Tablet PC und kann gleichzeitig vielseitiger eingesetzt werden. Wenn sich Hersteller beispielsweise auf einen universalen Standard für das Dock einigen können, so könnten Schulen freier wählen, welches Smartphone Modell sie bevorzugen. Eventuell könnten sogar Schüler individuell ihr Modell wählen. Schulträger würden für die Schule lediglich noch diese Notebook Docks kaufen oder eventuell auch Monitore mit Tastatur und Maus. Die Kosten dafür wären relativ gering. Schüler hätten zuhause ebenfalls eine Möglichkeit ihr Gerät einzudocken. Da heute ohnehin der Trend immer mehr dahin geht, dass jedermann ein Smartphone mit sich herum trägt, warum sollte die Lösung für die Zukunft also nicht so aussehen? Warum müsste es unbedingt ein Tablet PC sein, der durch seine Größe eben nicht ein universaler persönlicher Begleiter ist?
Die Tablet PCs haben ihren Platz. Smartphones haben in ihren und eventuell, wenn sie immer schlanker werden bzw. immer flacher, könnten sie sogar in ein Tablet hineingeschoben werden. Das ist durchaus vorstellbar, wenn man den Trend zur Miniaturisierung verfolgt. Ein Smartphone der Zukunft, welches prinzipiell nur aus einem Display, an der Rückseite und einem Kollektor besteht, könnte so flach sein, dass es in ein Tablet PC von der Stärke eines gegenwärtigen iPad hinein gesteckt werden könnte.
In noch etwas fernerer Zukunft könnte sich dieses Konzept zu einem Gerät weiter entwickeln, welches quasi wie ein Armband getragen wird und sich über Funk mit anderen Geräten verbindet, über die Inhalte dargestellt oder in verschiedener Form eingegeben werden können. Aber das ist nun wirklich sehr weit entfernte Zukunft. Eine Weiterentwicklung des Konzeptes, wie es Motorola mit dem Atrix vorgestellt hat, ist jedoch durchaus in greifbarer Nähe.
Für mich steht eigentlich fest, Tablet PCs werden in der Schule allenfalls eine vorübergehende Erscheinung sein, nicht jedoch das Konzept, welches auf längere Zeit Bestand haben wird. Die Gründe dafür habe ich oben genannt.